Das echte Tagesgeldkonto

von Christoph Schmitt

Die Eigenschaften eines Tagesgeldkontos können kurz und knapp wie folgt charakterisiert werden:

- Es bestehen keine festen Laufzeiten
- Über das angelegte Kapital kann täglich verfügt werden
- Der Zinssatz ist vom allgemeinen Marktzinsniveau abhängig
- Beim Tagesgeldkonto fallen i.d.R. keine Kontoführungsgebühren an.
- Ein Tagesgeldkonto verfügt nicht über Zahlungsfunktionen (z.B. Lastschrift, Überweisung   auf Fremdkonto).
- Die Verzinsung ist unabhängig von der Einlagenhöhe (kein Staffelzins)

Wenn ein Tagesgeldkonto alle oben genannten Eigenschaften vereint, so spricht man von einem echten Tagesgeldkonto.

In den letzten Jahren haben Tagesgeldkonten allgemein an Beliebtheit gewonnen: Allen voran der ING-DiBa ist es zu verdanken, dass viele Millionen Kunden in Deutschland Ihr Erspartes von einem Sparbuch auf ein Tagesgeldkonto transferiert haben. Die ING-DiBa hat in der Vergangenheit immer wieder mit TV-Kampagnen, und Zeitungsannoncen auf die Vorteile Ihres Tagesgeldkontos (“Extra-Konto”) aufmerksam gemacht.

Viele Banken sind auf diesen Zug aufgesprungen und bewerben nun Ihre eigenen Tagesgeldprodukte. Der Begriff “Tagesgeldkonto” ist schließlich ein in Deutschland mittlerweile hinlänglich bekannter Begriff. Und so verwundert es nicht, wenn Banken mit dem Wort “Tagesgeldkonto” sehr gerne werben.

Was viele Kunden nicht wissen: In vielen Fällen handelt es sich gar nicht um ein echtes Tagesgeldkonto. Die oben genannten Eigenschaften eines echten Tagesgeldkontos vereinen nur wenige Banken in einem Produkt. So bewirbt beispielsweise die 1822direkt unter der Rubrik “Tagesgeldkonten” das “1822direkt Top-Cash”: Neben einer hohen Verzinsung kann der Kunde bei diesem Konto laut Aussage der 1822direkt täglich über das Guthaben verfügen - allerdings “mit besonderer Zinsabsprache”, wie weiter zu lesen ist. Die “besondere Zinsabsprache” der 1822direkt besteht darin, dass der Kunde im Monat über nicht mehr als 3.000 EUR verfügen kann - es sei denn, er kündigt seine Abhebung 90 Tage vorher online an. Ohne der 3 monatigen Vorankündigung würde im Falle einer Verfügung über mehr als 3.000 EUR ein Zinsabzug stattfinden.

Solche einschränkenden Bedingungen kennt man nur zu gut aus den Bedingungen für Spareinlagen: Jeder, der ein Sparbuch besitzt, wird sich an die oben beschriebene “Zinsabsprache” gut erinnern können. Ein Produkt mit einer solchen “Zinsabsprache” ist kein echtes Tagesgeldkonto - die tägliche Verfügbarkeit über das Guthaben des Kunden wird nämlich massiv eingeschränkt.

Kunden sollten beim Vergleich von Angeboten sehr detailliert aufs “Kleingedruckte” schauen: Viele auf dem Markt befindliche Anbieter gewähren die scheinbar guten Konditionen nur, wenn gewisse Bedingungen erfüllt werden. Der oben geschilderte Fall der 1822direkt ist sicherlich nur ein Beispiel von vielen, indem das Etikett “Tagesgeldkonto” mit dem eigentlichen Produkt nicht viel gemein hat. (CS)

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