Niedrige Zinsen - eine politische Betrachtungsweise

Niedrige Zinsen - ein Segen für die Politik
Artikel vom 27.12.2012

Des einen Freud, des anderen Leid – dieser Leitsatz trifft regelmäßig auch auf die Zinspolitik der Zentralbanken zu. Entweder sind es die Anleger, welche jubeln, oder die Kreditnehmer. Und zu den Kreditnehmern gehört immer die öffentliche Hand. Während Anleger auf Grund der aktuellen Kapitalmarktzinsen verzweifelt nach rentierlichen Anlagen und Einlagen suchen, ist es der Bundesregierung im Jahr 2012 erstmalig gelungen, durch Emission einer Anleihe eine Entschuldung vorzunehmen.

Sicherheit kostet ihren Preis

Die finanzielle Krise in der Europäischen Union führt dazu, dass nur noch wenige Staaten als sicherer Hafen für Anleger gelten. Selbst als nach außen immer als stabil geltende Mitgliedsländer wie Frankreich oder Holland sehen sich erstmalig Herausforderungen gegenüber, die ihnen in diesem Umfang bisher fremd waren. Trotz der internationalen Kritik an der Geldpolitik der Bundesrepublik flüchten dennoch gerade ausländische Investoren in die Arme der Kritisierten. Die angefeindete Fiskalpolitik scheint andererseits ein Garant für die Sicherheit der Anlage zu sein. Dieser Umstand legitimierte es, eine extrem schlecht verzinste Anleihe noch mit einem Agio zu versehen, dass von Beginn an eine negative Rendite implizierte – der Preis für die garantierte Rückzahlung der Gelder. Nun ist eine Anleihe alleine nicht der Schlüssel zur Entschuldung, maßgeblich ist aber die Tatsache, dass damit weniger Neukredite aufgenommen werden müssen, um alleine die Zinslast stemmen zu können. Gerade im Wahljahr ist das Signal der sukzessiven Entschuldung ein wichtiges Signal an die Wähler. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein politischer Verdienst der gerade regierenden Parteien ist, oder nur das begleitende Ergebnis der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Anleger Opfer der Politik?

Vor dem oben geschilderten Sachverhalt wird deutlich, dass anhaltend niedrige Zinsen im Sinne der politisch Verantwortlichen sind, da sie langfristig einen Abbau der Verschuldung bedeuten. Für Anleger ist ein Zinsniveau unterhalb der Inflationsrate jedoch ein Desaster. Schuldenabbau der öffentlichen Hand bedeutet im Umkehrschluss Vermögensvernichtung bei den Privathaushalten. Gerade die Anleger, die auf klassische Einlagen fokusiert sind, tun sich immer schwerer, geeignete Investitionsmöglichkeiten zu finden. Tagesgeldvergleiche, beispielsweise Tagesgeldkonto.com, zeigen zwar auf, dass es immer noch Banken gibt, die eine Rendite oberhalb des Kaufkraftverlustes anbieten, eine erneute Zinssenkung durch die EZB müsste aber auch die Spitzengruppe der Anbieter an ihre Kunden durchreichen. (Uwe Rabolt)

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