Interview mit Hans-Joachim Michel von der NIBC Bank N.V.

Im Gespräch mit NIBC-Direct
Artikel vom 29. Mai 2009

Die NIBC Bank N.V. hat mit der Marke "NIBC Direct" den Eintritt in den deutschen Markt für Tages- und Festgeld vollzogen: Seit Februar 2009 wirbt die "NIBC Direct" um deutsche Spareinlagen. Die Zinsen können sich sehen lassen: So zahlen die Holländer 3,8 % p.a. für Tagesgeld und bis zu 5,0 % p.a. für Festgeld. Grund genug für tagesgeldkonto.de, sich mit dem Leiter des Privatkundengeschäfts, Herrn Hans-Joachim Michel, über die Bank, über die Sicherheit und über die Krise zu unterhalten.

Freitag, 29. Mai 2009, 14.00 Uhr: In der 32. Etage des Main-Towers in Frankfurt am Main: Das Wetter ist traumhaft und die Aussicht auf Frankfurt überwältigend. Unser Gesprächspartner, Herr Michel, war bis April 2006 Geschäftsführer der Stater Deutschland GmbH & Co KG, eine zum ABN Amro Konzern auf Hypothekenfinanzierung spezialisierte Gesellschaft. Im Mai 2006 wechselte der gelernte Bankkaufmann zur NIBC Bank N.V .

tagesgeldkonto.de: Die NIBC bietet schlichtes Online Banking - besonders effektiv und dadurch günstig. Damit steht die NIBC jedoch nicht alleine dar. Viele Direktbanken wie z.B. Credit Europe Bank, ING-DiBa konkurrieren mit demselben Modell. Wie innovativ ist die NIBC und wodurch unterscheidet sie sich durch Konkurrenten?
Hans-Joachim Michel: Wir haben die Saving- Initiative vor ca. 6-7 Monaten in Holland mit großen Erfolg gestartet . Das ist der Schritt, den wir nun auch in Deutschland gemacht haben. NIBC Direct bietet Anlageprodukte für Privatkunden zu besten Konditionen an mit exzellente Zinsen für Tages- und Festgeld und kostenloser Kontoführung, ohne Sonderklauseln und Kleingedrucktes. Der Brand "NIBC Direct" bedeutet ausschliesslich Termin- und Festgelder und damit ein besonders schlankes Produktportfolio. Die NIBC als Bank vergibt dagegen schon seit Anfang 2007 in Deutschland Baufinanzierungen für Endkonsumenten, ist im Bereich gewerblicher Immobilienfinanzierungen etc. aktiv. Mit "NIBC Direct" haben wir nun unsere Refinanzierung auf breitere Beine gestellt. Für den Endkunden heißt dies im Klartext, dass wir vor allem keine Kosten für den Aufbau und Pflege eines größeren Sortiments haben. Außerdem beschränken wir unsere Geschäfte auch wirklich auf das kostengünstige Internet. Wir haben da einen erheblichen Kostenvorteil, der letztlich direkt unseren Kunden zugute kommt.

tagesgeldkonto.de: Die freiwillige deutsche Einlagensicherung für private Banken, organisiert im BdB, ist heiss begehrt: Hat die NIBC Bestreben, sich ähnlich der deutschen Einlagensicherung an zu schliessen?
Hans-Joachim Michel: Der deutsche Einlagensicherungsfonds ist eine sehr gute Institution. Ob wir uns dem deutschen Einlagensicherungsfonds einmal anschließen werden, kann ich Ihnen nicht sagen. Die aktuelle Entwicklung zeigt uns: Das Thema Einlagensicherung ist brandaktuell. Der holländische Staat hat seine Einlagensicherungsgrenze auf EUR 100.000,00 für 2009 angehoben - und jüngst wurde diese sogar bis Ende 2010 verlängert. Was wir nun erst einmal abwarten müssen, ist die auf europäischer Ebene angestrebte Harmonisierung: Es gibt Bemühungen ab 2011 die Einlagensicherungsgrenze auf bis zu 100.000,00 EUR anzuheben. Diese Entwicklung beobachten wir genau.

tagesgeldkonto.de:  Vom juristischen Aspekt betrachtet ist die holländische Einlagensicherung sicherlich die bessere Sicherungseinrichtung: In Deutschland sind gerade einmal die EU-weiten vorgeschriebenen EUR 20.000,00 gesetzlich abgesichert.
Hans-Joachim Michel: Verzeihen Sie mir, wenn ich mir keine Wertung hierüber erlaube: Wir haben in Deutschland klare Regelungen, eine freiwillige Einlagensicherung und das Wort unserer Kanzlerin... 

tagesgeldkonto.de:...welches aus juristischer Sicht fraglich ist.
Hans-Joachim Michel:Es gab bis jetzt in Deutschland keinen Ausfall. Der Fall, dass ein Sicherungsfonds nicht bezahlt hat, ist nicht bislang eingetreten. Deswegen möchte ich mir kein Urteil erlauben, welche Einlagensicherung beider Staaten besser oder schlechter ist.

tagesgeldkonto.de: Wäre es nicht aus Image Gründen interessant, der deutschen Einlagensicherung bei zu treten? Die psychologische Außenwirkung wäre sicherlich gegeben.
Hans-Joachim Michel: Wir haben gutes Feedback unserer Kunden, was unsere Informationspolitik bezüglich der Einlagensicherung angeht. Das zeigt uns, dass unser Auftritt überzeugt. Hier spielen nicht nur Aspekte der Einlagensicherung eine Rolle sondern auch Service Aspekte und Kundenfreundlichkeit: Wir haben keine Cross-Selling Produkte und keine Add-Ons. Wir haben nur Fest- und Tagesgeld - „Einfach. Mehr.“

tagesgeldkonto.de: Die NIBC zählt zu den Banken, die gleich zu Beginn der Finanzkrise betroffen waren. Sie haben Verluste in Bezug auf Ihre US Investments in den Geschäftszahlen veröffentlicht. Wie sieht die aktuelle Situation für Ihr Unternehmen aus?
Hans-Joachim Michel: Die NIBC hat sehr früh und angemessen auf die aktuelle Krise reagiert. Im August 2007 wurde das gesamte US Portfolio an privaten Baufinanzierungen veräußert. Unser Portfolio von gewerblichen Immobilienfinanzierungen ist an die NIBC Holding übertragen worden. Damit wurde ein etwaiges Risiko bereits im Jahre 2007 von Euro 2,5 Mrd. auf Euro 0,7 Mrd reduziert, um im Jahre 2008 weiter auf Euro 0,2 Mrd. gesenkt zu werden. Die NIBC Bank weist einen Gewinn für 2008 in Höhe von 92 Millionen EUR aus. Anfang 2008 ist unsere Eigenkapitalausstattung durch die aktuellen Anteilseigner um 400 Millionen Euro erhöht. Ein deutliches Zeichen, dass unsere Gesellschafter zu uns stehen. NIBC verfügt über eine solide Kapitalisierung und hat einen überdurchschnittlichen Tier-1 Quotienten von 16.6% (Stand 31. Dezember 2008). Aufgrund unserer guten Liquiditätsposition, den diversifizierten Fundingansätzen sowie der gesunden Mischung aus Aktivitäten in verschiedenen Branchen und Ländern kann NIBC seinen Kunden aus einer soliden Position heraus ein gutes Leistungsversprechen machen.

tagesgeldkonto.de: Welche Bedeutung würden Sie vor dem genannten Hintergrund dem Deutschlandgeschäft beimessen?
Hans-Joachim Michel:  Am deutschen Markt sind wir als NIBC bereits seit 15 Jahren vertreten. Als Zweigniederlassung sind wir in Deutschland seit 2005 in Frankfurt am Main vertreten - ich war damals die dritte Person; heute sind wir über 50 Personen. Deutschland ist neben den Beneluxländern ein wichtiger strategischer Wachstumsmarkt für NIBC.

tagesgeldkonto.de: Gibt es neben J.C. Flowers noch weitere Gesellschafter?
Hans-Joachim Michel: J.C. Flowers, der nicht als Person sondern mit seiner Firma J. C. Flowers & Co. LLC engangiert ist, führt das Gesellschafterkonsortium. Weitere Gesellschafter sind unter anderem Delta Lloyd, ABN Amro, Santander oder Shinsei Capital.

tagesgeldkonto.de:  Die NIBC stellt sich als innovativ dar. Innovation ist jedoch kein Dauerzustand sondern ein permanenter Änderungsprozess, der niemals aufhört. Auf welche Innovationen dürfen wir uns in 2009 freuen?
Hans-Joachim Michel: Das ist eine gute Frage. NIBC ist grundsätzlich eine wendige Organisation, die flexible und zügig auf Kundenbedürfnisse und Märkte reagieren kann. Die Bank ist als innovativer Player immer am Puls der Entwicklung neuer Produkte und Leistungen, die jeweils auf die neu entstehenden Kundenbedürdnisse zugeschnitten sind. Innovation ist in 2009 für uns jedoch noch nicht unbedingt das Thema: Was der Markt jetzt braucht, ist eine Bank, die schnell auf die Kundenbedürfnisse reagiert. Wir sind das Schnellboot, nicht der Tanker.

tagesgeldkonto.de:  Herr Michael Enthoven ist Anfang 2008 abgetreten und hat in seiner letzten Pressekonferenz im Februar 2008 seine Fehler eingestanden mit dem Satz: "Ich wusste nicht, was Subprime bedeutet". Können Sie unseren Lesern in Kürze erklären, was Subprime bedeutet?
Hans-Joachim Michel: Zunächst: Nach meiner Auffassung gibt es in Deutschland keinen Subprime-Markt im eigentlichen Sinnes des Wortes. Subprime ist rein amerikanisch. In Deutschland wir das Wort sehr oft aber nicht besonders trennscharf verwendet. Man unterscheidet klassisch zwischen:
1. Performing Loans
2. Non-Performing Loans (sog. NPLs)
3. Non-Conforming Loans
4. Subprime Loans

In Deutschland werden diese 4 verschieden Arten gelegentlich alle unter dem Begriff "Subprime" benannt.

tagesgeldkonto.de:  Können Sie das anhand eines Beispiels konkreter machen?
Hans-Joachim Michel: Ich möchte die Unterschiede der vier genannten Arten beispielhaft anhand der Baufinanzierung erläutern: Wenn eine Baufinanzierung in Deutschland abgeschlossen wird, geht dem eine Prüfung der Bank voraus. Die Bank entscheidet, ob der Kunde die Kreditvergabekriterien des jeweiligen Hauses erfüllt. Der Vertrag wird geschlossen, das Darlehen kommt zur Auszahlung und wird vom Darlehensnehmer ordentlich bedient (=Performing Loan oder nicht leistungsgestörtes Darlehen). Gerät der Schuldner in Verzug, handelt es sich um ein Non-Performing Loan, also ein leistungsgestörtes Darlehen. Diese NPLs wurden in der Vergangenheit oftmals von ausländischen Anbietern gekauft, die dann bemüht waren, die Schuldner zu überreden, ihre Raten zu bezahlen oder eine andere Vereinbarung zur Rückführung des Darlehens zu treffen; Ziel war häufig, wieder den Status eines Performing Loan zu erreichen. Das Non-Conforming Loan Geschäft ist das, was in Deutschland mit Subprime verwechselt wird: Es gab früher einen gewissen Marktstandard. Wenn man eine Baufinanzierung möchte, so galt die Faustregel: 20 % Eigenkapital muss vorhanden sein. Sparkassen verfolgen diese Regel meist bis heute. Dann gibt es aber auch Anbieter, die 100% Fremdfinanzierung und darüber hinaus gewährleisten. Solche Anbieter passen nicht in das 20%-Muster und können in sofern als vom Marststandard abweichend, also als Non-Conforming Loans bezeichnet werden. Man muss hier zusätzlich noch die Perspektive der Bank sehen. Hier ist ein Darlehen immer dann Non-Conforming, wenn es nicht mit den bankeigenen Kreditvergaberichtlinien zusammen passt. Dies kann bspw. aufgrund von Ausnahmegenehmigungen oder aufgrund eines Strategiewechsels der Fall sein. Subprime hebt sich von den vorgenannten Arten wie folgt ab: Es gab in der Vergangenheit in Deutschland ganz wenige Anbieter, die solche Subprime Produkte angeboten habe. Unter Subprime versteht man Kreditnehmer, die trotz negativer Schufa und beispielsweise einer negativen Haushaltsrechnung einen Kredit bekommen. Dieser wurde dann nicht mit marktüblichen 5-6 % sondern eher mit 8 % verzinst. Aber wie bereits erwähnt: Die Anzahl solcher Anbieter war verschwindend gering und es gibt für Subprime in Deutschland praktisch keinen Markt. Anders in Amerika: Dort gab es Darlehen, die an Menschen gewährt wurden, die in Deutschland niemals einen Kredit erhalten hätten. Diese Menschen waren vermutlich nie, sind es heute nicht und werden nie in der Lage sein, diesen Kredit zurück zu zahlen. Die Darlehen wurden teilweise so konzipiert, dass die Kunden erst in 10 Jahren mit der Tilgungsleistung beginnen müssen, oder die Tilgung erst am Ende der Laufzeit leisten müssen und so weiter. Hinzu kommt noch, dass von Banken häufig das Haus, welches der Kunde für einen Kredit von beispielhaft TEUR 100 gekauft hat, nach zwei Jahren mit TEUR 200 bewertet wurde. Der Kunde konnte also plötzlich ein weiteres Darlehen bei der Bank aufnehmen und mit dem Haus absichern. Ein weiterer Knackpunkt ist die Tatsache, dass Zinsfestschreibungen in Amerika weit weniger verbreitet sind als in Deutschland: Steigen die Zinsen, so steigen auch die Kreditzinsen für so ein variables Darlehen. Eine solche Situation gibt es in Deutschland nicht.

tagesgeldkonto.de:  Herr Michel, ich bedanke mich für das Gespräch.


Das Interview führte Christoph Schmitt.

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