Warnung vor neuen Sekulationsblasen von EZB-Notenbanker

Europa vor dem Aus?
Artikel vom 31. Januar 2010

EZB Ratsmitglied Ewald Nowotny warnt vor neuen Spekulationsblasen, die die Finanzmärkte bedrohen können. Und Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini betrachtet nüchtern die Staatsfinanzen der europäischen Staaten und sieht den Auseinanderbruch der Währungsunion kommen. Wohin geht die Reise?


Eine große Schuld an der Finanzkrise, so ist man sich heute unter Experten einig, ist vor allem in den niedrigen Leitzinsen der Jahre 2003 bis 2005 zu finden: Die Politik des billigen Geldes hat dazu geführt, dass sich an den Märkten Spekulationsblasen gebildet haben, die zu dem jetzigen Dilemma geführt haben. Um die schwerste globale Finanz- und Wirtschaftskrise seit 1945 zu bekämpfen, hatten die Notenbanken weltweit die Zinsen so drastisch gesenkt wie nie und Tausende Milliarden Dollar ins Finanzsystem gepumpt. Doch auch in 2010 belässt die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf den niedrigsten Stand seit seiner Existenz. Die Angst nimmt zu, dass die Geldpolitik zu lange zu locker bleibt - und sich somit wieder neue Spekulationsblasen bilden, die zum endgültigen Kollaps der Finanzmärkte führen. Erstmals warnt ein EZB-Notenbanker konkret vor diesen möglichen Gefahren.

Österreichs oberster Währungshüter fürchtet Spekulationsblasen

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny, Österreichs oberster Währungshüter, hat vor neuen Übertreibungen an den Finanzmärkten gewarnt. Konkret benannte er Geldströme in Schwellenländer, die rein spekulativer Natur seien. Als Beispielländer nannte er China oder Brasilien. Weitere Risiken sieht Nowotny in Rohstoffmärkten: Die Steigende Nachfrage aus Asien aber auch die spekulative Entwicklungen bürgen die Gefahr von Blasenbildung. Nowotny sieht die Geldpolitik allerdings nicht in erster Linie gefordert: Vielmehr sei das Handelsgeschäft der Banken mit einer höheren Eigenkapitalanforderung zu unterlegen, weil das ein wesentlicher Treiber von Blasenentwicklungen sei. Die Notenbanken müssen stärker in die Regulierung und Aufsicht einbezogen werden.

Der Schuldenberg der Südeuropäer belastet die Gemeinschaftswährung

Neben der Gefahr von Spekulationsblasen hat Europa mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Die Krise in Griechenland ist ein Beispiel stellvertretend für die Verschuldungsprobleme anderer südeuropäischer Länder. Ursache der Krise der Südeuropäer: Der Euro. Denn durch die Währungsunion sind die Löhne in den südeuropäischen Staaten in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen - die Produktivitätszuwächse in den Ländern ist dagegen bescheiden. Die Lohnstückkosten sind im Vergleich zu Deutschland oder Frankreich viel zu hoch. Ohne Euro könnten die südeuropäischen Staaten ihre eigene Währung abwerten und somit ihre Ware günstiger auf dem Weltmarkt anbieten. Mit Euro schwinden die Erlöse aus dem Export dahin und ein Abtrag des Schuldenbergs ist schwierig. Ein Teufelskreis, denn das schlechte Rating führt dazu, dass der Schuldendienst immer teurer wird. 

Blick nach Davos

Auf internationaler Ebene wird die europäische Währungsunion durchaus kritischer betrachtet, als man es in den heimischen Medien etwa mitbekommt. Dem wirtschaftlichen Aufschwung wird insgesamt eher skeptisch begegnet. Und der New Yorker Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini, auch als Doctor Doom bekannt, geht vom Schlimmsten aus: "In weiter Ferne, nicht in diesem oder im nächsten Jahr, könnte die Währungsunion auseinanderbrechen". (cs)

 

Quellen:
"Notenbanker fürchten um Erholung", Financial Times Deutschland,
15. Januar 2010
"EZB-Notenbanker schlägt Alarm", Financial Times Deutschland, 26. Januar 2010
"Der Euro und die Explosionsgefahr", Handelsblatt, 29. Januar 2010

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