Warnung: Kein Geld bei einer englischen Bank anlegen

England vor dem Abgrund
Artikel vom 30. Juli 2009

Die Finanzkrise bringt viele Opfer mit sich. Neben Anlegern, Bankinstituten und der Wirtschaft ist das auch der Staat. Und dass ein Staat auch pleite gehen kann, haben wir in 2009 in eindrucksvoller Weise erlebt. Ist England der nächste Kandidat?


"Ein Staat kann nicht pleite gehen" - so lautete die herrschende Lehrmeinung noch vor einigen Jahren. Das durch die Finanzkrise ein Staat durchaus pleite gehen kann, haben wir in 2009 bereits mehrfach erlebt: Da wäre Island - ein kleiner Inselstaat, dessen Bankaktivitäten weit über Island hinaus gingen und Dimensionen annahmen, die den Staat schlichtweg zu einer Bankrotterklärung veranlasste.

30.000 deutsche Anleger fielen mit der Kaupthing Bank rein

Mit der Pleite der isländischen Kaupthing Bank (tagesgeldkonto.de berichtete ) haben auch deutsche Anleger Geld verloren: Denn die deutschen Anleger haben erst knapp ein Jahr später ihre Einlagen zurückerhalten. Zinsen wurden bisher nicht erstattet. 

Finanznotstand in Kalifornien

Wer nun glaubt, Island sei eine Besonderheit, weil eben so klein, der irrt: Kalifornien hatte auch seinen Bankrott erklärt. Es sei festzuhalten: Kalifornien war einst der reichste Bundesstaat der USA und die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Anfang Juli 2009 konnte Kalifornien nur noch Schuldscheine ausgeben. Die großen amerikanischen Banken erklärten binnen weniger Tage, die Schuldscheine nicht mehr zu akzeptieren...

Staatspleite: Wer ist der nächste?

Die vorgenannten Beispiele zeigen: Ein Staatsbankrott ist denkbar. Konkrete Auswirkungen eines Staatsbankrotts haben die deutschen Kaupthing Anleger in 2008 und 2009 erfahren dürfen. Grund genug also zu fragen, wer der nächste Kanditat sein könnte.

Innerhalb der EU werden verschiedene Länder nur noch durch Notkredite der EU vor dem Staatsbankrott bewahrt: Ungarn, Lettland und Rumänien seien an erster Stelle genannt. Glücklicherweise haben diese Länder jedoch kein Engagement im deutschen Bankensektor entfaltet, wie es in der Vergangenheit der Ableger der Pleite gegangenen Kaupthing Bank tat. Und selbst wenn, bleibt fraglich, ob deutsche Anleger genügend Vertrauen hätten, in diesen Ländern Geld anzulegen. Anders sieht es bei England aus: Der Inselstaat steht vor dem finanziellen Aus. Und seit kurzem wirbt eine gewisse "Bank of Scotland" im deutschen Fernsehen... .

Bank of Scotland: Kaupthing Drama wiederholt sich?

Der Schock sitzt noch tief: Vor über einem Jahr ging der Ableger der isländischen Kaupthing Bank in Deutschland mit der Marke "Kaupthing Edge" auf Kapitaleinsammeltour. Mit Erfolg. Viele deutsche Anleger vertrauten ihr sauer Erspartes der isländischen Bank an, um von hohen Zinsen zu profitieren. tagesgeldkonto.de warnte bereits im April 2008 vor einer sich abzeichnenden Katastrophe im isländischen Bankensektor und warnte ausdrücklich vor einer Anlage bei einer isländischen Bank (Artikel vom April 2008 ). Monate später erklärte die Kaupthing Bank ihren Bankrott - und der Staat Island auch.

Daher brennt die Frage unter den Nägeln: Wer ist die Bank of Scotland? Wer ist ihr Eigentümer? Wer haftet für sie?

Bank of Scotland: Opfer der Finanzkrise

Die Bank of Scotland wirbt zur Zeit für Tagesgeldkonten aggressiv in den Medien: Nicht nur im Internet, auch im Fernsehen stößt man auf einen Werbespot der Bank. Wer ihn noch nicht gesehen hat: Unter youtube kann dieser Spot abgerufen werden: http://www.youtube.com/watch?v=PcYRsZBKSDo

Mit diesem Clip wird im deutschen TV geworben.

Der Zuschauer wird neben einem hohen Zinssatz auf Tagesgeld mit den Wörtern verabschiedet "Vertrauen seit 1695". Klingt gut und wer sich für Geschichte begeistern kann, der wird die über 300-jährige Geschichte des Unternehmens sicherlich hoch interessant finden. Doch die Frage lautet doch: Hat die Bank das Vertrauen auch in Zukunft verdient?

Die Antwort ist weniger vertrauenserweckend: Die Bank of Scotland willigte im Jahr 2001 in eine Fusion mit der Halifax Gruppe ein. Es entstand die Halifax Bank Of Scotland (kurz HBOS).  Die HBOS wurde Opfer der Finanzkrise und stand in 2008 vor dem Aus. Eine Fusion mit Lloyd TSB brachte die Rettung: Es entstand am 19. Januar 2009 das Unternehmen Lloyds Banking Group. Die einzelnen Marken (hierunter auch Bank of Scotland) behielten ihre jeweiligen Namen bei. Seit März 2009 ist der britische Staat der Mehrheitsaktionär.

Fiktion Staatspleite England: Der Pleitegeier kreist!

Wer sein Geld bei der Bank of Scotland anlegt, unterliegt der britischen Einlagensicherung - auch wenn die Bank of Scotland mit einer deutschen Niederlassung im deutschen Fernsehen wirbt. Der Staat haftet mit 50.000 britischen Pfund. Doch wie sicher ist der englische Staat?

Die Antwort ist ernüchternd: Die britische Staatsverschuldung liegt bei ca. 800 Mrd. Pfund. Das entspricht ungefähr rund 57 Prozent der Wirtschaftsleistung der Insel. Die Notenpresse läuft auf Hochtouren.

Der von der Regierung zur Verfügung gestellte Finanzrahmen für den Ankauf von Wertpapieren beträgt 150 Mrd. Pfund. Hiervon sind bereits 125 Milliarden ausgeschöpft - Experten gehen davon aus, dass im August die restlichen 25 Mrd. Pfund abgerufen werden. Darüber hinaus wird vermutet, dass die Hilfen über die bisherigen 150 Mrd. Pfund noch ausgeweitet werden. England gilt unter einigen Wirtschaftsexperten als einer der nächsten Pleitekanditaten.

Warnung vor einer Geldanlage in England

Unser Fazit: Legen Sie Ihr Geld nicht bei einer englischen Bank an. Zur Zeit wirbt die Bank of Scotland massiv um deutsche Gelder. Der Zinssatz ist zwar verlockend - doch wir empfehlen Ihnen, sich lieber mit ein bisschen weniger Zinsen zufrieden zu geben und Ihr Geld auf keinen Fall bei einer englischen Bank an zu legen. Eine Orientierung bietet Ihnen unser Zinsvergleich von Tagesgeldkonten . (cs)

 

Quellen:

Luxemburger Wort: Britische Staatsverschuldung erreicht Rekordstand , vom 21.07.2009

Handelsblatt.com: Großbritanniens Schulden explodieren , vom 24.07.2009

Westdeutsche Zeitung: Krise: Die Briten steuern in den Staatsbankrott , vom 19. Februar 2009

 

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